Es ist acht Jahre her, da wurde mein Schwieger vater Anton immer verwirrter. Die Ärzte stellten eine Demenz fest. Ich entschied mich, meinen Beruf aufzugeben, um für meinen Schwiegervater da sein zu können.
Als Sekretärin war ich stresserprobt und habe gedacht: „Das machst Du mit links“. Doch es war nicht einfach, mich ganz auf die neue Welt meines Schwiegervaters einzustellen, mit ihm in seine Kindheit zurückzugehen.
Es war auch sehr schmerzlich, mich im Laufe der Zeit von dem tatkräftigen und naturverbundenen Menschen, der er einmal war, verabschieden zu müssen.
In den ersten Jahren hatte ich niemanden, mit dem ich reden konnte, den ich fragen konnte. Irgendwann wurde mir alles zu viel – neben meinem Schwiegervater kümmerte ich mich noch um meine Mutter, meine Tante und zeitweise um meine drei Enkel.
Vor drei Jahren bin ich dann zusammengebrochen. Drei Wochen lag ich im Krankenhaus. Und in dieser Zeit habe ich verstanden: Ich schaffe es nicht allein.
Danach habe ich mir Hilfe gesucht und sie bei den Maltesern gefunden. Es gibt hier eine Gruppe für pflegende Angehörige. Wir tauschen uns aus und machen uns gegenseitig Mut. Von den Fachfrauen der Malteser habe ich außerdem gelernt, Anton besser zu verstehen. Er suchte oft nach seiner Mutter, die längst verstorben ist. Anstelle ihn zurechtzuweisen, verstehe ich nun, dass in seiner Realität die Mutter noch lebt.
Mit meinem Mann nutze ich das Malteser Angebot „Ein Tag für mich“. Einen Tag lang kümmern sich besonders geschulte Ehrenamtliche um Anton. Das schöne dabei ist, dass ein Betreuer ganz für einen Kranken da ist. Diese Auszeit nutzen wir, um die nötige Kraft zu sammeln, um den Alltag mit Anton zu stemmen.
Mein Schwiegervater ist heute 88 Jahre alt. Seine Demenz ist weit fortgeschritten. Für ihn ist es wichtig, dass ich - so oft es geht - seine Hand halte. Das gibt ihm Sicherheit, und er wird ruhiger.
Es wäre für mich völlig unvorstellbar, wenn es die Malteser nicht gäbe. Denn ihre Unterstützung gibt meiner Familie und mir die Kraft, weiter für meinen Schwiegervater da zu sein – solange er uns braucht und solange es geht.
Letzte Änderung: 01.06.2010 – 11:03 Uhr